KI in HR – 5 Gründe, warum sich Personaler dringend mit dem Thema künstliche Intelligenz befassen sollten

Human Resources und neue, bahnbrechende Innovationen?

Klingt etwas holprig? Auf den ersten Blick vielleicht, jedoch eröffnet künstliche Intelligenz (KI) einige neue, noch nie dagewesene Möglichkeiten, welche die Personalarbeit definitiv revolutionieren können, wenn wir uns darauf einlassen.

Wie kann das gehen? Müssen Roboter nun wirklich auch noch unsere HR- Abteilungen ablösen? Die Abteilung, die vermutlich vom persönlichen Kontakt und Menschlichkeit lebt, wie keine andere? Werden unsere HR- Abteilungen in Zukunft unpersönlich und roboterhaft?

Nein - lautet die kurze Zusammenfassung!

Vielmehr kann KI das Pflegen der menschlichen Verbindung in Zeiten von „0“ und „1“ sogar intensivieren. Wie? Indem wir KI beispielsweise repetitive, für den Personaler eher langweilige Aufgaben (wie das Beantworten der immer wiederkehrenden Mitarbeiterfragen) übernehmen lassen und dem Personaler damit mehr Zeit für das Wesentliche verschaffen: die Personalarbeit am und mit dem Mitarbeiter.

Das ist nur ein Beispiel von Vielen. Im Wesentlichen kann KI in allen Bereichen der Personalarbeit eingesetzt werden, von Kandidaten-Sourcing über administratives HR Management, Learning & Development bis hin zur Aufdeckung von Top-Talents im Unternehmen. Auch wenn es für den ein oder anderen abschreckend klingt und bisher kaum ein anderes Thema auf so viel emotionalen Widerstand stößt, haben wir 5 spannende Gründe erarbeitet, warum sich jeder HRler spätestens jetzt mit dem Thema KI auseinandersetzen sollte:

1. KI eröffnet völlig neue Möglichkeiten im Recruiting:

Jeder HRler kann ein Lied davon singen: Genderneutrale Stellenbeschreibungen. Übung macht hier zwar den Meister, es beweisen jedoch zahlreiche Studien, dass die Vermeidung von geschlechtskodierter Sprache nicht immer in Gänze gelingt. Oft überlesen wir bei der Erstellung von Stellenbeschreibungen wichtige Schlüsselwörter, die gut geeignete Bewerber abschrecken. Diese Abschreckung erfolgt zumeist unbewusst, kostet die Unternehmen eventuell jedoch potenzielle Top-Kandidaten. Ein Beispiel: Wird in der Stellenausschreibung nach einer „lebhaften“ Persönlichkeit verlangt, fühlen sich Männer hiervon meist nicht angesprochen und bewerben sich nicht. KI kann diese Fehlerquelle einstellen. Texte werden gescannt und auf geschlechtskodierte Sprache hin untersucht.

Des Weiteren eröffnet KI eine neue Welt in der Kandidaten-Auswahl. Wir können mit der erheblichen Menge an gesammelten Daten im Recruiting, KI- Plattformen trainieren. KI wird „low potential“ von „high potential“ Kandidaten unterscheiden können und vorhersagen, wer in einem Job erfolgreich sein wird und wer nicht.

Damit kommen wir zu einer vielfach kritisierten Schattenseite von KI. Vorurteile und psychologische Biases werden damit im Moment noch weiterentwickelt, weshalb ein völlig vorurteilsfreies Sourcing derzeit nur schwer möglich ist. Wird hier bald eine Lösung gefunden, wäre dies ein absoluter „Game-Changer“ für das Recruiting.

Auch für den Bewerber ergeben sich große Vorteile durch den Einsatz von KI: nehmen Sie Applicant tracking systems (ATS). Jeder Kandidat weiß zu jedem Zeitpunkt, in welchem Status des Bewerberprozesses er sich gerade befindet. Endloses Warten auf ein Zeichen vom ersehnten neuen Arbeitgeber ist passé. Automatisch werden Nachrichten an den Bewerber versendet, sollte sich sein Status im Prozess ändern. Dies fördert eine positive Bewerber-Experience und stärkt aktiv das Employer Branding.

Ein weiterer Megatrend im Recruiting sind die sogenannten Bots. DPDHL zum Beispiel nutzt einen Chat Bot via WhatsApp, um Bewerber vorzuselektieren. Wurde gewünschte Tätigkeit, Form der Anstellung, Startdatum etc. abgefragt, übernimmt die Personalabteilung mit persönlichem Kontakt. Ein schönes Beispiel dafür, wie KI und Mensch, Hand in Hand gehen können.

Potenzielle Einsatzmöglichkeiten von KI im Recruiting:

• Kandidaten-Sourcing

• Kandidaten-Screening

• Interviews
• Onboarding-Prozess

2. KI automatisiert langweilige und wiederkehrende Tätigkeiten in Perfektion

Gerade bei administrativen Tätigkeiten bringt KI zum jetzigen Zeitpunkt wohl den größten Benefit. Als Ergebnis hat das Team mehr Zeit für den persönlichen Kontakt mit den eigenen Mitarbeitern und kann sich um wichtige, strategische Themen kümmern. Gerade deshalb wird KI nicht die persönlichen Berührungspunkte ablösen. Ganz im Gegenteil, sie können dadurch sogar intensiviert werden. Auch die stetig steigenden Erwartungen

der Mitarbeiter z.B. bezüglich der Servicequalität und Geschwindigkeit einer HR-Abteilung, können mithilfe von KI weit besser erfüllt werden.

Potenzielle Einsatzmöglichkeiten:

  • Performance Management

  • Dienstplan-Gestaltung

  • Personal-Controlling

  • Mitarbeiter-Self-Service

  • Talent Management

  • Führungskräfteentwicklung und Coaching

3. Frühzeitig Mitarbeiter Demotivation erkennen

Wie wäre es, wenn wir einen kleinen Helfer an der Hand hätten, der uns darauf hinweist, wenn es schlecht um die Mitarbeitermotivation bestellt ist? KI macht es möglich! Es kann Motivations-Kurven der Mitarbeiter voraussagen, um rechtzeitig Handlungsbedarf und -möglichkeiten aufzuzeigen. Google macht es vor und nutzt die Technologie, um Frustrationstäler früh zu erkennen und entgegen zu wirken.

Potenzielle Einsatzmöglichkeiten:

  • Intelligente Mitarbeiter-Umfragen

  • Real-time Feedback-Plattformen

  • Belohnungssysteme

  • Personalisierte Nachrichten und Kommunikation

KI kann uns ebenfalls bei gewissen Payroll-Themen unterstützen. Auch hier können Bots, die wichtigsten Fragen zu Gehalt und Co. klären. Wichtig dabei ist das direkte Feedback von den Mitarbeitern, um die Antworten fortwährend zu verbessern und weiterzuentwickeln.

Potenzielle Einsatzmöglichkeiten:

  • Gehälter-Berechnung und Automatisierung

  • Kommunikation mit den Mitarbeitern

  • Compliance-Check bei den Gehältern

4. Fragen der Mitarbeiter zu ihren Gehältern? KI übernimmt...

5. Strategische Mitarbeiterentwicklung dank KI

Mitarbeiterprofile können von KI ausgewertet werden und passgenaue Entwicklungs-Maßnahmen erstellt werden. Natürlich auf Basis des Entwicklungswunsches des Mitarbeiters. Aber auch weitere Development- Möglichkeiten kann KI aufzeigen. Ein sogenannter KI-basierter “Karriereassistent” wird bereits von einem großen deutschen Automobilhersteller erfolgreich eingesetzt.

Mögliche Einsatzmöglichkeiten im Learning & Development:

  • Personalisiertes Lernen

  • eLearning Analytics

  • Chatbots für Fragen

Fazit

Grundsätzlich ist im Umgang mit KI-Systemen eine Sache besonders wichtig zu verstehen: Die Systeme sind immer nur so gut, wie die Daten, die sie verarbeiten. Um einen besonders hohen Mehrwert zu erzielen sind KI-Systeme also auf die Unterstützung von uns Menschen angewiesen. Und wieder erscheint das Hand in Hand Bild. KI wird niemals alleine, ein echtes Top-Talent anziehen, ein persönliches Interview-Erlebnis schaffen oder ein komplettes Training und Mentoring-Programm aufstellen.

Gerade aufgrund des hohen Widerstands gegenüber KI ist es wichtig, dass wir den Mitarbeitern die Angst und die Zweifel nehmen und klarstellen, dass die Daten der Mitarbeiter, auch in Verbindung mit KI, niemals gegen ihr Interesse verwendet werden. Mit anderen Worten: „KI dein Freund und Helfer für eine erfolgreichere Karriere.“

Marina Lang

Recruiterin bei Die CONUFACTUR